Nebellegenden 8 2003

Auf den Spuren des Heiligen Prätorius

Bei Kirchheim an der Teck


Gleich vorne weg möchte ich mich bei allen SCs, NSCs und der SL bedanken. Das war wohl das beste Spiel auf dem ich bis jetzt war. Durch die ganze Kletterei war es aber auch das anstregenste Spiel :/

Die meiste Zeit spielte ich (NSC) den wolkowischen Träger Jewgenij. Schwer beladen mit dem Gepäck der hohen Herren
trotteten wir Träger, zu Anfang bestehend aus fünf Menschen, hinter der Heldengruppe her. Das war wahrlich kein
Zuckerschlecken und wir durften ordentlich schwitzen. Das Gebiet war sehr steinig, bewalded und steil. Da im Verlauf
der Geschichte immer mehr Träger weg fiehlen, mussten die vebleibenden immer das Gepäck der anderen mit aufladen. Ich wählte für meine Hauptrolle eine recht schwere Tunika und ließ mir einen 3Tage Bart wachsen.

Doch zurück zum Anfang. Die Reise begann im abgelegenen Corengast. Das ist weit im Norden Lyriens, etwas östlich von Friedland. Auf der Landkarte ist die Gegend ein großer grüner Fleck mit nur minimalen Anzeichen von Zivilisation. Die
Gruppe wurde von der Kirche ausgesandt das Grab des Heiligen Prätorius, ein bekannter Anhänger des Propheten Hilarius, zu suchen. Geführt wurde unsere Gruppe von dem bekannten Wegführer Meister Borgan persönlich. Das Spiel startete
beim letzten Flecken Zivilisation in dieser Gegend: Ein kleines Dorf, mit einer verfallenen Grenzfeste, welches
„Burgenweiler“ genannt wurde. Hier enden die letzten Aufzeichnungen, welche die Pilger von der Kirche mit auf den beschwerlichen Weg bekommen hatten.
26.07. im Jahre des Prätorius

Wir befinden uns irgendwo in Corengast. Ich war nie ein anspruchsvoller Mensch, doch vermisse ich unser
kleines Dorf „Hinterwalden“. Leider kann ich mich dort nicht mehr blicken lassen. Ich hätte, trotz meines kargen
Lohnes, niemals mit dem Stehlen anfangen sollen. Glück im Unglück, dass diese seltsame Reisegruppe gerade ein
paar kräftige Leute gebraucht hat.

Heute Morgen haben wir „Burgenweiler“ erreicht. Das war das letzte, mir bekannte, Dorf in der ganzen Gegend. Ich ahnte schon dass dieser Tag eine Menge Ärger mit sich bringen würde. Unsere seltsame Reisegruppe machte in dem Dorf halt, um neue Vorräte einzukaufen. Ich habe mir die feilgebotenen Waren ein wenig angesehen, völlig überteuerter
wertloser Kram. Der räuberische Marktvogt tat sein bestes, um die letzten Kupferstücke aus unseren Herrn zu pressen.

Nach dem Markt zog unsere Gruppe den steilen Berg zur Burg hinauf. Wenigstens konnten wir den Berg auf einem richtigen Weg erklimmen. Irgendwo bewundere ich diesen Ritter Tankred von Hochberg ja schon. Er trägt bei dieser
Hitze und dieser Steigung ein Kettenhemd unter seinem Pilgergewand, und nicht ein Schweisstropfen ist zu sehen. Fast ein wenig unheimlich. Dieser Altceride Malachias hingegen schwitzt und schnauft den ganzen Weg über. Aber das kann
man ihm auch nicht verübeln, schließlich ist er nicht mehr der Jüngste und zieht die ganze Zeit diesen schweren Bollerwagen. Darüber hinaus erzählt er uns die ganze Reise über fantastische Geschichten über Ceridon und den Eynen.


Doch uns allen voraus stapft stets der Herr Anshelm von Hohenlohe und dieser Waldläufer Regald Borgan. Der Herr
Borgan war uns bisher ein guter Führer und man munkelt er könne wilde Tier nur mit seinem Blick bezwingen! Stets fand er sichere Wege über Geröll und anderes Gestein.

In der Mitte unserer Gruppe stapfen hartnäckig die beiden Frauen unseres Zugs, die Waldläuferin Anna Nord und eine Kräuterfrau namens Kalea The. Wir haben wenig Kontakt mit den Damen,
schließlich werden wir für das Tragen der Lasten bezahlt.

Nach einem Mahl auf der Burg passierte es. Die Streitereien, es ging wohl um die selbe Frau, zwischen Ivan und Alexander eskalierten. Es kam zu einer Keilerei mit tödlichen Ausgang für Ivan. Wir hatten die traurige Aufgabe unseren Kameraden zu verscharren. Alexander hingegen wurde in den Kerker der Burg geworfen und der Vogt versprach, dass sich ein Henker der Sache annehmen würde. Der Herr von Hohenlohe hielt uns noch eine lange Predigt über das eben geschehene und bezahlte uns dann für unsere Dienste, wohl um unsere Motivation zu heben. Außerdem hatten wir nun wesentlich mehr Gepäck zu schleppen.

Irgendwann im Jahre des Prätorius

Wir wandern nun schon seit mindestens zwei Wochen durch die Wildniss. Genau kann ich es nicht bestimmen, da ich jegliches Zeitgefühl verloren habe. Einige alte Pergamente und der Hinweis des Burgvogts führen uns tief in das nördliche Hinterland hinein. Hier gibt es nichts als Steine, Berge und Wälder. Irgendwo hier soll sich die Höhle eines alten
Eremiten befinden, der so steinalt sei, dass er sogar noch die Schuhgröße des Prätorius kennen soll. Das Gepäck macht mit schwer zu schaffen, doch wird es langsam leichter, da uns langsam die Vorräte ausgehen.


Heute hatten wir eine seltsame Begegnung mit einem stummen Waldläufer. Wir trafen ihn am Berge eines steilen Hangs. Er wurde von zwei insektenartigen Wesen verfolgt – mit knapp zwei Schritt Größe! Als der Mann an uns vorbei rannte ignorierten uns die seltsamen Kreaturen zuerst einfach. Unsere beiden Schwertmeister machten jedoch kurzen Prozess mit ihnen. Malachias wäre am liebsten noch eine Weile geblieben, um die Kreaturen zu untersuchen, die anderen zogen ihn aber weiter. Die Begegnung bestätigt ein komisches Gefühl in mir dass irgend etwas mit dieser Gegend nicht stimmt.

Nach langen hin und her kam heraus dass der Waldläufer den Eremiten wohl kenne. Zum Dank wolle er uns zu dessen Höhle führen. Ein sehr steiler Aufstieg begann, da der Eremit seine Höhle recht weit oben in einem Berg gewählt hatte. Malachias Wagen musste unten warten, bis unsere Gruppe wieder hinabsteigen würde. Gerne wäre ich ebenfalls unten geblieben, es hätte mir auch den Anblick und diesen Gestank erspart.

Als wir die Höhle erreichten, schlug uns Übelkeit erregender Geruch entgegen. Die Höhle war kaum mehr als ein schwarzes Loch im Berg. Stufenartige Felsvertiefungen führten uns auf ein kleines Plateou. Unsere Herrn drangen mit gezückten Schwertern in die Höhle ein, während ich die Laterne vom Gürtel nestelte. Als der Dochte zu brennen begann, eilte ich den Herrn hinterher. Was wir fanden war eine völlig verwüstete Wohnhöhle und die Überreste des Eremiten. Ein Bär hatte den armen Menschen zerrissen und nicht viel von ihm übrig gelassen. Den Bären fanden wir auch noch, ein schwerer Felsbrocken hatte ihm den Schädel zertrümmert. Was auch immer der Alte angebetet haben mochte, es hatte ihn zwar nicht gerettet doch wenigstens gerächt.
Wieder im Freien schnappten wir zuerstmal einmal nach frische Luft. Einer der Ritter hatte die Überreste eines Tagebuches gefunden, welches Malachias mit glänzenden Augen an sich riss. Zu allem Überfluss hatten sich die hohen Herren in den Kopf gesetzt, den Alten zu begraben. Viel war ja nicht mehr übrig, und das wenige hatten sie in einen alten Sack gestopft. Doch sie konnten uns mit besserer Bezahlung oder mit Hieben drohen, wir waren nicht zu überreden die Überreste zu tragen.
Auf dem Abstieg, zurück zu dem Karren, verloren wir einen weiteren unserer Kameraden. Dimitrej riss den halben Weg über irgendwelche Blätter vom Wegesrand. Ich gestehe, kaum darauf geachtet zu haben. Ich bemerkte seinen Fehler erst, als unser stummer Waldläufer uns unter lautem Gegrunze verständlich machte, dass dieses Zeug wohl ungenießbar sei. Später klagte er dann über Schmerzen und wir mussten sein Gepäck unter uns aufteilen während Meister Borgan den Unglücklichen stützte. Wenige Minuten später war Dimitrej tot. Was für Kraut er da auch immer gegessen hatte, es hatte ihn verdammt schnell umgebracht. Malachias untersuchte den Toten kurz während unsere Damen auf den Waldläufer einredeten, um zu erfahren was er da genau gegessen habe.

Da der Hang zu steinig war, warf sich Meister Borgan unseren toten Kameraden einfach über die Schulter. Wir würden ihn unten am Hang, neben dem Überresten des Eremiten begraben. Der Rest des Abstiegs verlief in gedrückter Stimmung.

Nach einer größeren Rast, am Fuße des Berges, entschieden wir uns weiterhin dem stummen Waldläufer zu folgen. Er wusste mit seiner Zeichensprache von einem anderen Siedler zu berichten. Zwar war dieser, den Gesten des Mannes zur Folge, nicht ganz klar im Kopf, doch war er immer noch unsere beste Spur. Der nächste Teil unserer Reise führte uns über weite Wiesen, unterbrochen von kleineren Bauminseln.

In der Mitte eines Haines, mit ungegfähr neun Bäumen, fanden wir schließlich diesen Mann. Wir nutzten die Zeit, welche die Herrn für ihr Gespräch benötigten, um uns ein wenig auszuruhen. Der Mann, welcher wohl einmal ein Priester, oder so etwas in der Art gewesen sein musste, hatte ein Gelübte abgelegt, sich nicht mehr von der Stelle zu rühren. Eine kleine Ceridonfigur neben sich stehen habend, wolle er über die Vergangenheit nachdenken. Ich habe zwar nicht alles verstanden, doch scheint er – und auch der Waldläufer – ein Überlebender einer vergangenen Expedition zu sein. Anscheinend habe der Waldläufer sie in den Tod geführt, als er sie mitten in ein Gebiet wilder Menschen geführt hatte. Zur Strafe habe sich der Waldläufer selbst dieses Schweigegelübde auferlegt.

Der Mann konnte uns eine Beschreibung zum nächsten Punkt auf unserer Karte geben. Auch befahl er dem Waldläufer uns dort hin zu führen. Eindringlich warnte er uns noch einmal vor den Wildlingen, welche in dieser Gegend hausen würden.

Letzter Eintrag in Jewgenijs Tagebuch

Wir legten eine kurze Rast ein. Unser Führer warnte uns noch einmal, keine unnötigen Geräusche zu machen. Der letzte Teil des Weges ging durch dunkle Wälder und schmale Bergpfade. Nach der Karte sollten wir bald einen gangbaren Pfad, oder ähnliches, erreicht haben. Wir hatten einige Probleme mit dem Karren, weil wir umgestürzten Bäumen ausweichen mussten. Der Stand unserer Vorräte macht mir ebenfalls Sorgen – doch scheinen wir den Großteil der Reise hinter uns zu haben. Ich bin froh, dass wir Meister Borgan bei uns haben. Er erkundet jeden Weg, bevor er ihn die Gruppe passieren lässt.

Jewgenij starb bei einem Überfall der Wildlinge, eine degenerierte Form von Menschen. Auch Jewgenijs letzter Kamerad starb bei diesem Überfall, als dem schwer beladenen Träger ein verrutschter Sack die Sicht versperrte. Da die Heldengruppe das Gepäck nun nur bedingt weitertragen konnte, blieb ein Großteil einfach auf der Strecke. Da auch unsere Helden ein paar heftige Treffer kassiert hatten, füllte sich Malachias Karren wie von Wunderhand. So ist es kein Wunder, dass die Deichseln, nur wenige Kilometer weiter, den Dienst verweigerten und brachen. Auch hier musste wieder viel Gepäck zurückgelassen werden – und das war auch gut so. Die folgende Wegstrecke würde kein Zuckerschlecken für die Reisegruppe werden. Als NSC lachte ich mir insgeheim schon ins Fäustchen 🙂

Nach meinem unspektakulären Abgang sammelte ich mich, mit den anderen NSCs auf einem Parkplatz. Die Pause genießend wurden wir zum nächsten Spielpunkt, dem Breitenstein, einem schönen Hochplateau, gefahren. Hier bereiteten wir alles für die nächsten Rollen vor. Wir würden zwei Stunden Pause haben, bis sich unsere Helden den Berg hinauf gequält haben würden.

Es galt zwei Dinge vorzubereiten. Die Helden würden verdammt müde und erschöpft von dem wirklich schwierigem Aufstieg sein. Wir brauchten eine Erfrischungsstation sowie etwas Kino für unsere wackere Truppe. Eine Wassernymphe würde eisgekühltes Quellwasser, mit einem kleinen Zusatz, verteilen. So würde auch der beabsichtige „Alice im Wunderland“-Effekt weiterhin vertieft werden. Anschließend würden die Helden ein paar Visionen erleben…

In der ersten Vision erschien der Heldengruppe Ceridon persönlich. Der Heilige kämpfte mit seinen Mitstreitern gegen einen unsichtbaren Dämonen – jener namenlose Dämon welcher vor Jahrhunderten diese Gegend unsicher gemacht hatte. Ceridon hatte den Dämonen damals so gründlich zerstört, dass nicht einmal mehr sein Aussehen bekannt ist.
Bei dem Kampf starb einer der Mitstreiter Ceridons. Während einer Zeremonie löste Ceridon ein großes schweres Ceridenkreuz vom Hals und legte es dem Toten auf die Brust. Nach dieser Zeremonie erklärte er die beiden Ritter von Hohenlohe und von Hochberg für Streiter des Heiligen Ceridons selbst. Jene, welche bis eben nur hatten zusehen dürfen, erhielten von Ceridon persönlich ihren Ritterschlag. Als der Heilige wieder verschwand, blieb das Kreuz jedoch im jetzt wieder unberührten Gras zurück.
Ursprünglich sollte ja jeder noch eine kurze Vision für seinen Char bekommen. Leider reichte die Zeit nicht mehr und so bekam nur noch Meister Borgan eine kleine Vision. Jener hatte sich erst mißtrauisch geweigert, das Quellwasser zu trinken. Jetzt sah er sich plötzlich allein auf der Wiese. Aus dem Gebüsch brach eine Frau, in zerschlissenen Gewändern, dicht gefolgt von einem Bären. Hier hatten wir eine sehr klischeehafte Situation herauf beschworen. ‚Jungfrau in Nöten‘ Um sie zu retten würde Meister Borgan es mit einem Bären aufnehmen dürfen. Zugegeben ein etwas kleineres Exemplar, irgendwer hatte das Kostüm zu heiß gewaschen und ich war der einzige NSC der da noch reingepasst hat.
Meister Borgan dachte gar nicht ans Kämpfen. Als standesgemäßer Waldläufer überzeuge er den Bären mit seinem Blick und seinen Gesten davon, dass er ein Freund sei. Nachdem der Bär beruhigt war, schicke er ihn zurück in seine Wälder. Die Visionen waren vorüber und unsere Heldengruppe musste ausgeruht und erholt weiterziehen, während der Großteil der NSCs die Beine in die Hand nahm, um zum Grillplatz zu flitzen. Es gab noch sehr viel zu tun…

Nun hatten wir wirklich ein wenig Zeitdruck. Um zum Grillplatz zu kommen mussten wir über 20 Meter Privatbesitz. Der Gutsbesitzer machte jedoch einen riesigen Aufstand, als wir es wagten, ein Auto auch nur in die Nähe der Durchfahrt zu bringen. Dass er nicht die Schrotflinte ausgepackt hat, hat gerade noch gefehlt. Wir hatten keine Zeit, uns über das Wegerecht zu streiten, und trugen das Gepäck in mehreren Fuhren zur Diboltsburg, wo wir heute Nacht zelten würden. Die beschriebenen knapp 300 Meter stellten sich rasch als mindestens 1 Kilometer heraus, und so waren wir verdammt fertig, nachdem das wichtigste(!) am Grillplatz angekommen war. Rasch wurden die ersten Zelte aufgebaut und das Feuer angezündet.

Wie uns hinterher berichtet wurde, hatte unser NSC-Waldläufer den Weg verloren. Als es bereits zu dunkeln begann, dürften unsere Helden ordentlich Fracksausen bekommen haben. Kein Gepäck mehr, müde und dunkel wirds auch noch. Keine rosigen Aussichten. Zum Glück wurde der Weg dann doch noch wiedergefunden, und die Gruppe erreichte beim letzten Tageslicht den Gillplatz. Einige der Zelte standen leider noch nicht, und so musste die Gruppe noch ein wenig selbst Hand anlegen, während andere NSCs noch Nahrungsvorräte, und andere unverzichtbare Dinge, aus den Autos holten. Bei absoluter Dunkelheit schwankten mehrere schwer beladene Kuttenträger einen einsamen Waldweg entlang – muss ein komischer Anblick gewesen sein.

Am Grillplatz und der dahinter liegenden Ruine, unserem „Kloster“, spielte ich den Knecht Lutz. Viel zu tun hatte ich nicht, da der Abt und seine Mönche das Gespräch bei Tisch führten. Hier erfuhren die Helden endlich einige Details, so zum Beispiel, dass dieses Kloster seiner Zeit vom heiligen Prätorius persönlich gegründet worden sei – das einzige Prätorianerkloster der Welt also. Leider habe dieser schon früh wieder weiterziehen müssen, doch habe man es sich zur heiligen Aufgabe gemacht, die alle sieben Jahre angommenden Pilgergruppen den Weg des Eynen weiterzuleiten, um ihnen zu helfen ihre lange und tapfere Pilgerreise zu beenden. Ich huschte in meinem Umhang, inzwischen war es verdammt windig geworden, mit einer Laterne umher und half beim Zelte aufbauen und Nahrungsmittel/Weinreserven vernichten mit. Nachdem die erschöpften Pilger zu Bett gegangen waren, machten wir uns an die Vorbereitungen.

In der Nacht schnappen wir uns den ersten Pilger. Unsere Wahl fiel auf Malachias, welcher gewiss wunderbar zetern würde. Als Altceride war er auch sofort hellauf begeistert, als wir ihn baten an einer mitternächtlichen Zeremonie zur Ehre des Eynen teilzunehmen. Im Übrigen hätten die anderen Pilgergruppen auch stets an dieser Zeremonie teilgenommen. Schließlich könne man nur dann den Weg des Eynen weiterziehen, wenn man an der Zeremonie teilgenommen habe. So kam es dass sich Malachias mitten in einer stockdunklen Nacht in der Klosterruine wiederfand. Ihn umgaben ein halbes Dutzend Mönche mit einigen wenigen Laternen. Es ging ein sehr starker, jedoch nicht kalter, Wind. Leider wollten wegen dem Wind auch unsere großen Ritualkerzen nicht brennen :/

Nachdem der Abt schließlich einen großen Dolch hervorgezaubert hatte, wurde es unserem Altceriden doch ein wenig mulmig, scheinbar hatte er doch etwas falsch verstanden. Er gab an bereits beschnitten zu sein und hob zu allem Überfluss auch noch sein Gewand, um dies zu beweisen! Anschließend zeterte er munter mit uns Mönchen um die Wette. Die Mönche beharrten auf ihrem Standpunkt, dass ohne den Blutstränen garnichts laufen würde und er so den Weg des Eynen niemals beschreiten könne. Nun, dies wollte Malachias auch irgendwo gar nicht mehr und so versuchte er den Mönchen ihre Zeremonie auszureden…

Die, durch das Gezeter geweckten, Ritter erreichten in diesem Moment das Burgtor. Durch ein Wunder des Eynen fanden sich die beiden bereits beim Aufstehen in vollem Zeug vor. Im Torrahmen der Burg standen jedoch unsere beiden Klosterwachen, welche die beiden nicht einfach so vorbei lassen wollten. Die beiden seien nun mal noch nicht dran und sollten sich doch gedulden. Nun, dies taten unsere beiden Helden auch – knieten sich nieder und beteten.

Sie warteten jedoch nicht lange. Inzwischen ging es Malachias wirklich ans Leben, drum beschwerte er sich lautstark. Nun gab es kein halten mehr für die beiden Ritter, die erste Torwache war flugs entwaffnet während die zweite einen härteren Brocken darstellte. Der Kampf war noch nicht entschieden, als der Abt angeeilt kam, und sofortige Ruhe gebot. Einer der Mönche hatte den Abt herbeigerufen – da seien zwei die nicht warten wollten, bis sie selbst dran sein würden.

Nun folgten mehrere Minuten Diskussion und langsam wurde den beiden Rittern klar, dass hier vor Jahren einmal etwas schrecklich falsch gelaufen sein musste. Da die Mönche nur ihre mündlichen Überlieferungen kannten, hielten sie sich für die gutgläubigsten Ceriden der Welt. Vor Generationen jedoch wurde wohl, durch die ungesteuerten bösen Kräfte an diesem Ort, einer der Äbte korrumpiert. Kein Wunder war keiner der vorherigen Pilgerzüge jemals zurückgekehrt.

Diese Erkenntnis war für die Ritter freilich ein ziemlicher Schock. Befanden sie sich doch an einem Ort des Eynen, waren herzlich aufgenommen und verpflegt worden. Nun stellte sich heraus, dass diese Menschen ein paar der Verwerflichsten Dinge taten, die der Eyne sich vorstellen kann. Eine Vision Ceridons tat ihr übriges. Jedoch waren die Worte Ceridons bezüglich der Reinigung dieses Ortes recht allgemein gehalten, und so fühlten sich auch die Mönche angesprochen, diesen Ort zu reinigen. Sie glaubten nun, dass die Pilger Böses im Schilde führen würden und klagten wiederum die beiden Ritter an.

Nach einer kurzen Unterredung unter vier Augen, während Malachias weiter auf die Mönche einredete, kamen die beiden Ritter zurück. Sie hoben ohne weiteren Kommentar ihre Schwerter und mähten die gesamte Bruderschaft nieder. Die ersten fielen sofort, während andere noch die Zeit fanden um Gnade zu flehen, zu beten oder ihr Heil in der Flucht zu suchen. Doch die beiden waren schnell und gründlich und keiner überlebte diese Tat.

Anschließend warfen die beiden ihre Waffen, und teilweise auch Rüstungsteile, zu Boden und heulten! Sie brüllten sich gegenseitig an und klagten dem Eynen ihr Leid und ihren Schmerz. Malachias jammerte es hätte sicher auch einen anderen Weg gegeben und untersuchte die Toten nach Überlebenden. Anschließend gingen die beiden Ritter umher und wälzen die von ihnen Getöteten auf den Rücken und schlossen ihnen die Augen.

Malachias suchte derweil den Brunnen ab, den Ceridon hatte in der Vision etwas „von einem Bösen welches in der Tiefe des Wassers schlummere“ erzählt. Nach einigen Tauchversuchen wurde er dann auch fündig und förderte ein dämonisches Gebilde, scheinbar ein Ei, zu Tage – bzw Nachte. Nach einer kurzen Diskussion schlug Tankred das Ei in zwei Teile. Anschließend nahm er Abschied von seiner Klinge, mit der er die Mönche erschlagen hatte, und versenkte sie im Brunnen.

Die ganze „Ei-Finden-Aktion“ und „Gegenseitig-Anschrei-Aktion“ dauerte gut und gerne 20 Minuten. Während diesen Minuten blieben alle NSCs brav liegen, anstatt sich in die Büsche zu schlagen. Muss ein verdammt tolles Bild abgegeben haben, bei dem Wind, stockdunkel und nur ein paar Funzeln zwischen den Toten verstreut. Und die Drei haben wirklich einsame spitze gespielt – ich hätte fast geheult so geil war das. Frei nach dem Motto „Ich dachte ich bin hier der NSC!“. Nie habe ich als toter NSC so viel Spaß gehabt. Nie hat sich jemand derart um meine sterblichen Überreste gekümmert 🙂

Ich möchte noch ein paar Worte zu dem Blutbad verlieren. Auf den ersten Blick mag diese Hinrichtungsaktion für einen „aufgeklärten“ Menschen der heutigen Zeit brutal und ungerecht wirken, doch versetzen wir uns in die Charaktere und tragen die Fakten zusammen:

-Diese harmlos wirkenden Menschen haben viele Pilger getötet
-Sie wollten auch die eigene Gruppe opfern
-Derartige Taten wie Opferung gelten als unbeschreiblich verwerflich und tatsächlich als ‚böse‘
-Der Hintergrund Friedlands schreibt ohnehin vor Mörder hinzurichten
-Hätte man sie denn weitermachen lassen sollen?

Was ich hier erleben durfte war ein konsequentes Charakterspiel. Die Charaktere wurden mit dem Tod harmloser Menschen durch die eigenen Klingen konfontriert und verhielten sich ihrer Rollen entsprechend. Es war einfach ein wunderbares Spiel und ich fürchte ich bin unfähig das ganze so zu erzählen wie ich es tatsächlich erlebt habe.

Nebellegenden 8 – Auf den Spuren des Heiligen Prätorius (http://www.nebellegenden.de/)

26.07.2003 – 27.07.2003 auf der Teck (bei Kirchheim – BaWü)

VERANSTALTER: Nebellegenen-ev

LOCATION: Wunderschöne Berge- und Wälderlandschaft auf der Schwäbischen Alb in der Umgebung der Burg Teck. Schöne, recht gut erhaltene und frei zugängliche, Burgen und Ruinen. Anstrengende Wegstücke. Letztes Klo auf der Burg Teck 🙁

ORGA: Keine Probleme (man kennt die Leute ja schon lange). Wir NSCs standen nur einmal ernsthaft unter Zeitdruck, sonst immer schön gemütlich. Es war zwar ein anstrengendes Wochenende, durch das viele Laufen mit Gepäck, doch gut getan hats mir allemal 🙂

VERPFLEGUNG: Abendliches gemeinsames Grillen, einmal Suppe unterwegs und die eigenen Wasserflaschen – satt geworden 🙂

WETTER: Super! Tagsüber immer eine leichte Wolkendecke, so dass wir nur selten direkt unter der Sonne marschiert sind. Nachts dann sternenklarer Himmel und ein heftiger Wind, der uns alle in unsere Umhänge zwang. Regen gabs erst, nachdem wir schon abgereist waren.

PLOT: siehe oben *faul*

KRITIK: Die Absprache zwischen den Autofahrern hätte wesentlich besser laufen können. Oft waren Autos mit Ausrüstung samt ihren Fahrern nicht auffindbar weil diese gerade irgendwo anders etwas zu tun hatten. Als wir dann in einer Nacht- und Nebelaktion noch die wichtigsten Dinge ca. 1km zum Grillplatz geschleppt hatten, blieb viel auf der Strecke. Besonders ärgerlich für jene, welche Zelt und Schlafsack erst bekamen, als es bereits dunkel wurde.

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