Ich habe meinen Augen erst nicht so recht trauen wollen. Als ich diesen Abend meine tägliche Radtour unternahm, habe ich mitten im Wald neben dem Studentenwohnheimen einen Haufen Studenten mit jeder Menge technischer Ausrüstung gefunden. Meinen Ohren ebenfalls nicht trauend wurde mir rasch klar, dass hier live-Radio gemacht wurde. Mitten im Wald! Die Kabel waren überall zwischen den Bäumen verstreut und die Antenne provisorisch an einen Wegweiser geklammert. Auf mein Nachfragen wurde mir erklärt, dass heute der letzte Sendetag ist. Semesterferien stehen vor der Türe und die meisten Studenten gehen nun erstmal bis Ende August nach Hause oder in den Urlaub. Anlässlich des letzten Sendetags hatte man sich also etwas besonderes einfallen lassen. Nebst Radio wurde also noch fleissig gegrillt und Wein vernichtet sowie gemeinsam gesungen. Ich bin also unverhofft in der seltsamtes ‘Party’ meines Lebens gelandet. Erst früh am Morgen traten alle den Heimweg an. Ein wirklich schöner Abend, der eigentlich nur eine kleine Radtour werden sollte. Leider hatte ich meine Digitalkamera nicht dabei und so gibt es keine Bilder. Ebenfalls traurig: Meine guten alten Bundeswehrstiefel haben sich heute völlig aufgelöst. Schätze es wird nun doch mal Zeit für ein Paar neue Treter :(

Mai 27 2006

Wasser

beko | Allgemeines, Schweden | 0 Comments


(Bild: Blick auf den See um 2 Uhr frueh)

Heute haben wir die neue Wasserpumpe angeschlossen. Sunny hat letzten Winter das Wasser nicht abgedreht und als dann das Wasser gefroren ist hat es die alte Pumpe zerrissen. Leider auch so ziemlich jedes Verbindungsstück in der Hütte. Plötzlich hatte ich überall fliessendes Wasser nur ohne die Möglichkeit es wieder abzustellen. Wenigstens hat der Boiler überlebt und während wir aus vielen unpassenden Reststücken Adapter bauten konnte der Boiler bereits Wasser erhitzen. Die ganze Wasseranlage ist nun ziemlich provisorisch geflickt und ich kann alle Wasserhähne und sogar die Dusche benutzen. Allerdings rechne ich jeden Moment mit dem Geräusch einer platzenden Dichtung und halte schon Eimer und Schüsseln parat. Am Montag werden neue Teile gekauft und dann sehen wir weiter. Das wäre dann auch ein guter Zeitpunkt den Abfluss vom Waschbecken im Bad frei zu bekommen – da fliesst nämlich nichts ab. Dann können wir auch gleich die letzten beiden Lecks in der Dusche dicht machen. Da stört das tröpfelnde Wasser aber nicht so weil es ja in der Dusche ist. Nun kann ich auch warm duschen und das eigene Klo richtig benutzen und muss nicht immer zu Sunny rüber rennen oder Wasser in Eimern anschleppen. Die kleine Spühlmaschine schliessen wir dann irgendwann auch mit an. Das stört mich aber gerade nicht im Geringsten da kaum Geschirr anfällt. Ist schnell per Hand erledigt und ich bin es ja langsam gewohnt da ich seit meinem Aufbruch in Deutschland nur so Geschirr gespühlt habe. Achja: Danke Dad dass ich bei dir auch lernen durfte wie man eine Wasserleitung verlegt! Ist schön nicht völlig nutzlos und hilflos zu sein wenn was hinüber ist ;)


In Piteå ist nicht viel los. Eigentlich ist hier regulär garnichts los. Wie bereits aus anderen Berichten zu vermuten ist gibt es hier einfach nicht viel. Auf der Kneipenmeile gibt es über den Daumen gepeilt 4 Pubs. Davon sind alle, bis auf Kallä, unter der Woche geschlossen und öffnen nur am Wochenende kurz die Pforten. Allein weil Kallä jeden Abend offen hat mag ich den Laden schon. Ein anderer Grund ist sicherlich die schöne hölzerne Einrichtung kombiniert mit den düstersten Glühbirnen (die Hälfte natürlich kaputt und außer Funktion), die auf dem freien Markt erhältlich sind. Schöne alte Bilder von schnellen Autos und heißen Frauen (oder war das umgekehrt?) zieren die Wände. Eine echtaltehrwürdige Spelunke mit klischeehafter Rockmusik und gelegentlichen Live-Auftritten eben wie ich das so mag. Nur der Zigarrendunst wird vermisst – Rauchen darf man zum Schutz des Personals nämlich nirgends in Schweden in den Kneipen.


Und am Wochenende steppt hier tatsächlich der Bär. Zumindest die Security mutet wie ein Bär an wenn die Hausregeln durchsetzt und für Ordnung gesorgt wird. Jacken vorne abgeben, was natürlich extra kostet, Passkontrolle, Gesichtskontrolle und wer Hausverbot hat versucht lieber garnicht erst trotzdem rein zu kommen. Drinnen geht es dann ab Mitternacht für etwa zwei Stunden an Freitag und Samstag hoch her. Dank eines gewissen Gesetzes muss nämlich schon um 2 Uhr früh wieder geschlossen werden. Darum wird schnell und gründlich gefeiert. Natürlich wärmt man sich vorher in privater Runde schon mit ein paar Bierchen auf und wer bis um zwei Uhr in der früh noch keine Afterparty – die Party danach eben – gefunden hat kann gleich nach Hause gehen. Gegen Schließzeit geht dann auch schon das Cruisen los. Da alle Kneipen an einer langen Strasse liegen kann das wochenendliche Gelage nicht nur exzellent von der Polizei beobachtet werden sondern auch gut von ‘den Fahrern’ übersehen werden. Diese cruisen mit den verschiedensten Vehikeln – von steinalt und laut knatternd hin zu Rennwagen mit sportlichen Sound ist da alles dabei – die Partymeile rauf und runter. Immer schön im Kreis. Dabei werden Bremsen, Subwoofer und die wildesten Bemalungen der Fahrzeuge präsentiert. Stets in der Hoffnung hübsch bemalte Weibchen in die Fahrzeuge zu locken wird dabei regelmäßig angehalten und lautstark gehupt. Um drei Uhr ist der ganze Spuck dann urplötzlich vorbei und die Stadt liegt wieder tot und verlassen da. Sogar die Strassenbeleuchtung ist bereits erloschen da es ja bereits seit einer Stunde wieder taghell ist.

Mai 26 2006

Church of Rock

beko | Freizeit, Schweden | 0 Comments


Die School of Rock kennt ja schon jeder – die Church of Rock hingegen nicht. Unser Pastor Kenneth hier ist etwas besonderes. Eigentlich war damals schon alles geregelt. Als begnadeter angehender (Rock)Musiker hatte er einen Schulplatz auf einer der angesehensten Musikschulen in den USA sicher und stand auch schon auf einigen Bühnen. Alles war bereits unter Dach und Fach und das Flugticket schon in der Tasche als ihn “Der Ruf” ereilte und er sich stattdessen an einer Schule für Pfarrer meldete. Für seine Eltern wohl ein Schock – für seine Gemeinde hier ein wahrer Segen. Kenneth predigt in “seiner” evangelischen Bapistenkirche und wie sich vermuten lässt ist diese Kirche ziemlich einzigartig. Dicht neben der hissigen Musikschule gelegen, welche ein Ableger der Universität in Luleå ist, treffen sich in seiner Kirche nicht nur außergewöhnlich viele Jugendliche sondern eben auch viele angehende Musiker. Sein eigener Sohn ganz vorne mit dabei ist natürlich Rockmusik wohl am meisten verbreitet. Wen wundert es da, dass aus den Lautsprechern der Kirche allabendlich rockige Klänge zu vernehmen sind, die so mit der üblichen Kirchenmusik so garnichts gemein haben.


Heute wurde dies allerdings noch um Meilen übertroffen als zu Livemusik mit Hamburgern frisch vom Grill geladen wurde. Auf dem Programm standen Cover von Deep Purple und fröhliches Zusammensein. Gegrillt hat Kenneth – wie immer bei solchen Veranstaltungen. Gerockt hat sein Sohn zusammen mit anderen Schülern der Musikschule. Die Ehre der Vorband hatten die Kids als weiterer Nachwuchs der Musikschule. Auf- und Abgebaut haben wir alle zusammen. Ein gelungener Abend der so richtig gerockt hat.

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