Wir haben es geschafft! Nach Wirren, Motorproblemen, ungeplanten Übernachtungen und davonfahrenden (Vor-)Fähren (D.d.d.da geht unser Gepäck!!1) sind wir auf Juist aufgeschlagen. Juist ist, wie wir alle wissen, eine autofreie Insel an/in der Nordsee. Auch bekannt als *der* Kurort für den wohlhabenden Mittelstand. Zufälligerweise kennen wir hier eine tolle nette Familie, die uns spontan über die Feiertage eingeladen hat. Die Saison hat noch nicht richtig angefangen und hier wirkt noch alles etwas verschlafen. Geschäfte haben das erste mal seit Monaten wieder offen und überall stellen sich die Anwohner erst noch richtig auf ein neues Jahr voller fetterlohender Touristen ein. Entschleunigt eben. Am Hafen warten Pferdekutschen und Fahrradanhänger auf die Reisenden. Anstelle von Zulassungsschildern ziert hier jede Handkarre ein Schild mit dem Namen der Miet-Residenz. Alle individuell natürlich. Ein Gewusel wie auf einem Wochenendemarkt setzt ein und ein paar Minuten stolpern Radfahrer, Fußvolk, Hunde und Pferde wild durch- und übereinander. Danach kehrt schlagartig wieder Ruhe ein. Auch auf uns wartet ein kleines Komitee mit Karre, was in Anbetracht unserer schweren Reisetruhe auch gut ist.
Wir sind nach der Übergabe unseres FressCare Pakets und dem Einzug in unser ZimmerFerienapartment gleich mal auf unseren alten quietschenden Rädern ohne funktionierender Gangschaltung und Luft in den Reifen einmal durch den Ort und dann zum Strand rüber. Der Wind zerrt kräftig an Ohren und Hut und wir schmecken Salz. Ich liebe diesen frischen Meeresgeruch und kanns kaum abwarten hier morgen gemütlich über den Deich zu flanieren. Sehen und gesehen werden. Das ist hier laut Reiseführer ohnehin das Motto. Nadur pur
Leider musste der Bus drüben auf dem Festland bleiben, wo wir ihn gut versteckt haben. Die Fährenparkplätze sind nämlich ziemlich teuer und ich habe irgendwie ein Problem mit teuren “Achtung – ich bin ein paar Tage nicht hier, brich ruhig mein Auto auf”-Parkplätzen.
Besondere Hilights aus dem Programm, die ich niemandem vorenthalten möchte:
- Kreatives Färben von Merino-/Alpaka-/Baumwolle & Co (Schafe färben!!!1eins)
- Klangschalenmassage (Mit tibetischen Klangschalen1!!1)
- Körpermassage Teil 1 Rückseite (Vorderseite kostet 5 Euro mehr. Warum wohl? .oO( ( . ) ( . ) )
- Kreatives Stricken und Häkeln!1eins
Camping im Sommer kann jeder. Ein neuer Trend, der sich in Deutschland ausbreitet, ist das Wintercamping. Zwar betrachten wir uns nicht als wirkliche Campernaturen oder Naturfreunde, doch ist im Winter ohnehin zu dieser Jahreszeit nur wenig los. Da kam ein Bullitreffen gerade recht um ein wenig Abwechselung in die tristen Tage zu bringen. Aber mitten im Winter? Damit hatte ich auch noch keine Erfahrung und so haben wir mehrere Tage mit den Vorbereitungen verbracht und viele Socken und andere wichtige Kleinigkeiten gepackt.
Das hat auch alles super geklappt und wir haben ein tolles Wochenende am Edersee genießen dürfen. Mit dabei waren geschätzt 80 andere VW T3 Busfahrer, darunter einige bereits bekannte Gesichter. Die meiste Zeit hatten wir traumhaftes Wetter und nur am Sonntag ein wenig Neuschnee (siehe Bild). Dank Strom am Bulli und der guten Isolierung mit Trocellen Schaumstoff hatten wir selbst am frühen Morgen wohlige 22,5°C im Bus bei nur 1,5kW Heizleistung. Versorgt haben wir uns allerdings mit einem Gaskocher und vielen warmen Mahlzeiten und den ein- oder anderen Irish Coffee oder Apfelwein.
Na und was wäre eine knapp 1000 Kilometer Tour mitten im Winter ohne Panne? Auf der Rückfahrt ist uns dann leider ein Reifen kaputt gegangen. Durch ein Loch in der Flanke verschwand der Großteil der Luft und so musste das Reserverad her halten. Kein großer Aufwand, habe ich doch immer das Werkzeug dabei, und ein Abenteuer mehr auf der Liste. Und wenn es auch nur einmal mehr der Reifen war
Inspiriert von einem Werbeflyer zog ich heute durch die lokalen Bau- und Supermärkte. Zwar beiße ich selten auf diese Flyer, doch war es einfach Zeit für ein paar neue Anschaffungen. Nach viel Umherrennen und akribischer Recherche in den Warenhausregalen zog ich nach dem Einkaufen Bilanz:
Handschuhe
Tabak (Erdbeeraroma) + Kohlestücke
Besteckablage[1]
Rauchmelder[1]
Scheibenwischwasser[1]
Funkwecker
Postkarten + Briefmarken von Schleswig[2]
Schleswig Stadtaufkleber[1]
10 Geschirrhandtücher[1]
AA Batterien
Und alles in supergünstitsch! (Bis auf die AAs.)
[1] Für den Bus. Erschreckend viel. Zwar kommt mir das alles indirekt selbst zu gute doch schockiert es mich rein statistisch doch ein wenig.
[2] Um der Enkelpflicht nachzukommen. Leider hatten sie keine realistischen Postkarten, sondern nur welche mit Sonne und grünen Wiesen/Wäldern und blauen Flüssen/Seen drauf. Ich war allerdings froh überhaupt welche gefunden zu haben. Selbst im Schreibwarenbedarf, mit satten _neun_ Postkartenständern, gab es nicht eine olle “Ich war in Schleswig – und du?” Karte! Bei der Post verwies man mich immerhin auf den Real,- und siehe da.. in der Medienabteilung (und nicht der Schreibwarenabteilung) zwischen Büchern und Computerspielen stand er: Des Touris Liebling
Ich denke damit bin ich für eine weitere Reise gut ausgerüstet. Am Montag geht es los.
Der Plan war simpel. Ich stellte mich am Silvesterabend an den Hafen und bezog eine Stunde vor Mitternacht meinen Platz auf dem Busdach. Von hier hatte ich einen prächtigen Überblick über die Bucht und die Stadt. Die ersten Raketen stiegen bereits auf, während unter mir der Wasserkocher an einem heißen Tee arbeitete. Dem Clubhaus einer Seglergruppe hinter mir schenkte ich wenig Beachtung. Einige Studenten wollten darin allerdings Silvester feiern und als die Gruppe ihre Posten bezogen wurde ich entdeckt. Drei Studenten schwenkten auf den Bus um und sangen mir kurzerhand ein Ständchen. Da ich eigentlich nur meine Ruhe haben wollte, entschuldigte ich mich auf Schwedisch kein Wort Deutsch zu sprechen. Normalerweise funktioniert das.
Ich musste natürlich genau die Gruppe Studenten erwischen, die an einer dänischen Universität studierten, und damit auch leidlich Schwedisch sprachen. Nach einigem Hin und Her sowie viel Gelächter wurde ich ebenfalls zur Feier im Clubhaus eingeladen und verbrachte Neujahr also tatsächlich noch unter Menschen. Nette Leute, beheizte Räume, warmes Essen, laute Musik, gemütliche Wasserpfeifen und viele viele Raketen. Yay 4 2007!